Art 63. La Chiguaza: die Wiederentdeckung des Kiez

La Chiguaza, ein stark verschmutzter Wasserlauf im Süden Bogotás, wird heute durch gemeinschaftliches Engagement neu belebt. Anwohner:innen, vor allem Jüngere, entdecken Natur, Geschichte und Zugehörigkeit wieder. Historische Orte, Urban Gardening und der Naturpark „Entre Nubes“ prägen das kollektive Gedächtnis. Überwundene Rivalitäten machen Platz für horizontale Zusammenarbeit, wodurch ein sozio-ökologischer und kultureller Korridor entsteht.
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La Chiguaza ist einer der kleineren Flussläufe, die den Süden von Bogotá (Kolumbien) in der Lokalität Rafael Uribe Uribe durchfliessen und sich dabei in eine wahre Kloaken verwandeln; so ergeht es auch der Chiguaza. Trotzdem ist ihr Gewässerkorridor heute Schauplatz eines gemeinschaftlichen Prozesses, der als Wiederentdeckung des lokalen Kiez bezeichnet werden darf. Begonnen hat alles damit, dass Gruppen von Bewohner:Innen, meist Jüngere eine Verbindung mit der Natur und dem Flusslauf, kurzum mit ihrem Kiez wiederentdeckten. Dadurch kehrte ein bereits als absolut verloren geglaubtes Zugehörigkeisgefühl zurück. Der Einflussbereich der Chiguaza hat sich zu einem identitätsstiftenden sozio-ökologischen und kulturellen Korridor gemausert. La Chiguaza verbindet entlang ihres Flusslaufs die Bewohner:innen.
Dieses aufkeimende Zugehörigkeitsgefühl speist sich aus einem kollektiven Narrativ rund um das historische Gedächtnis des Gebiets, das symbolträchtige Orte wie die Hacienda Los Molinos und die alten Viertel der Calle 40 Süd in die Erinnerung zurückrufen; daneben auch Eckdaten der lokalen vom Staub des Vergessens befreiten Historie: das kollektive Ringen zur Einrichtung des Naturparks „Entre Nubes“ (übersetzt etwa: Zwischen den Wolken), daneben Initiativen zu Urban Gardening und Gemeinschaftsgemüsegärten.
Während sich die Forderung nach ökologischer Rehabilitation des Flusslaufs dabei ist, auf der Agenda zu etablieren, sind die Leute im Kiez in Sachen Überwindung der politisch-administrativen Trennungen in ihren Mind-Maps bereits ein Stück weiter; mentale Distanz und Rivalität zwischen benachbarten Vierteln gelten als weitestgehend überwunden. Ausgrenzende Logiken und machtgeile Hierarchien machten Platz für Formen horizontalen Coworkings und gemeinnütziger Gegenseitigkeit, die sich thematisch um die soziale und territorial-ökologische Inwertsetzung des Kiez der Chiguaza dreht.

Aula Libre La Chiguaza – Start Up - Kiez

Bei verschiedenen Gesprächen, meist am Rande von Events unterschiedlicher Kollektive erzählte Sebastián Ayala von der Chiguaza, vom dortigen Kiezprozess und der Aula Libre La Chiguaza, eine Art Freilichtbühne im Süden von Bogotá. An dieser hochinteressanten Dynamik ist eine Vielzahl von Gruppen und Akteur:Innen beteiligt, die sich mittlerweile alle diesem Kiez zugehörig fühlen.
Sebastián, er lebt bei seinen Großeltern im Quartier San Agustín in der Lokalität Rafael Uribe Uribe im Süden der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá, akzeptierte die Einladung zu einem Podcast, um den Entstehungsprozess der Aula Libre La Chiguaza, gemeinsam mit Stefanía Bustos zu schildern. Während Sebastián sich bei diesem Gemeinschaftsprozess eingeklinkt hat, seitdem er wieder ins Quartier zurückkehrte, ist Stefania seit der Stunde Null dabei.
Im Dialog erklären Sebastián und Stefanía: „Das Bezirksamt für Risikomanagement und Klimawandel, im Spanischen abgekürzt IDIGER, siedelt Familien, die in Hochrisikozonen leben, um; so etwa in einem 30 Meter breiten Korridor beiderseits des Flussverlaufs der Chiguaza. Auf diese Weise findest Du hier jede Menge intervenierter Grundstücke“. Die Häuser auf diesen intervenierten Grundstücken werden abgerissen, die Grundstücke eingeebnet mit einer Grassnarbe versehen und durch Stacheldrahtzäune unzugänglich gemacht. Sebastián erinnert sich: „Als ich Kind war, hatte ich Angst vor den intervenierten Grundstücken in der Nähe der Chiguaza, denn sie verwandelten sich in Schmuddelecken, illegale Müllhalden, Unterschlupf von Obdachlosen, Drogenkonsum und -umschlagplatz“.
Einige Personen aus dem Quartier sagten sich, dass die lokale Community solche Tabuzonen als Kiez zurückgewinnen könne, indem sie sie in sichere Orte verwandeln, die von allen im Quartier betreut werden. Sonia Lodoño, eine Nachbarin, die nur einen halben Häuserblock von einer Gruppe intervenierter Grundstücke entfernt wohnt, und wo sich heute die rehabilitierte Zone befindet und die Aula Libre La Chiguaza beherbergt, war eine der ersten, die Kinder zu Spielaktivitäten zusammenbrachte und dieses Freilicht – Klassenzimmer oder – Bühne in Wert setzte.
Nach und nach schlossen sich Stefanía Bustos, Leidy Hernández, Christian Zuluaga, Nicolás Mendoza und viele andere Personen aus dem Quartier an. Langsam verwandelten sich die intervenierten und abgeriegelten Grundstücke in einen multifunktionalen kommunitären Treffpunkt, wo allerhand Aktivitäten stattfinden. Mittlerweile ist es ein alternativer, gemeinschaftlicher Raum der Nachbarschaft.
In der Zone gibt es insgesamt nur sehr wenige öffentliche Grünflächen, und diese sind meist Hotspots, wo Alkohol- und Drogenkonsum angesagt sind. Wobei die Liste der sozialen Probleme der lokalen Quartiere deutlich länger sind.
Stefanía bringt es auf den Punkt: „Das Beispiel der Aula Libre La Chiguaza zeigt ganz klar auf, dass die Bewohner der Quartiere hier städtische Akupunktur bewerkstelligt bekommen, ganz in Eigenregie und Verantwortungsübernahme für die Kiez-Community. Wir haben den Ort kollektiv adoptiert und haben die Aula Libre geschaffen“. Sebastián fügt hinzu: “Seit der Pandemie haben Menschen aus verschiedenen Schichten damit begonnen, auf öffentlichen Flächen Gemüse, Mais und vieles andere anzubauen. Obwohl dies bereits vor der Pandemie angesagt war, wuchs die Zahl der Gemeinschaftsgärten erheblich. Seit wir die Aula Libre mit ihrem Garten haben, kommen Nachbarn zu uns und bringen Pflanzen, die nicht mehr in ihre Töpfe passen. Dadurch hat die Aula Libre mittlerweile eine recht diverse Vegetation. Und durch die Aula Libre animiert gibt es immer wieder Nachbarn, die beginnen, auf anderen intervenierten Grundstücken Mais anzupflanzen“.
Für die Bewohner:Innnen des Quartiers ist die Aula Libre heute eine selbstorganisierte und sichere Zone, ein bisschen Park oder Grünfläche, ein bisschen Gemeinschaftsgarten, Freiluftbühne, Kinoleinwand. Wo Kids nachmittags spielen oder ludisch angeleitet werden, findet abends oft „Kino im Viertel“ oder eine Open-Air-Vorführung statt, oder auch verschiedene Workshops und jede Menge kulturelle Events. Eigentlich ist für jeden und jedes Alter etwas dabei; gelebter Kiez eben.

lebendige Territorien

Könnten Sie sich / könntest Du Dir vorstellen, in marginalisierten städtischen Gebieten ähnliche Prozesse mit anzustoßen, die Kiez- Identität und die Selbstbestimmung der Community zu stärken? Halten Sie / hälst Du so etwas für sich / Dich selbst für möglich?

Aula Libre La Chiguaza: städtische Akupunktur im 6. Jahr

Sechs Jahre sind vergangen, seitdem die ersten Stellen im Stacheldraht durchgeknipst wurden und die kollektive Impulsivität den sterilen von IDIGER abgesperrten Grundstücken neues Leben einhauchte.
Dank den Initiativen, auch dem Mut vieler Leute aus dem Quartier ist es gelungen, einen Platz für eigentlich Alle und Alles zurückzugewinnen. Gemüsehochbeete, Heil- und Aromapflanzen, eine Ecke für Kompostierung und agrarökologische Praktiken, Workshops und Aktivitäten mit Kindern, künstlerische Dynamik, Theater, Musik und vieles mehr: ein lebendiges Mosaik von Gemeinschaftsinitiativen.
Der Botanische Garten von Bogotá fungiert zugleich als Gartenbauamt der Metropole.Und natürlich gibt es ein Regelwerk, welches vorschreibt, welche Normen für einen Gemeinschaftsgarten gelten. Da dieses Vorschriften jedoch einseitig, ohne Konsultationen mit den Gartenkollektiven in den Stil gestossen wurden, sind die nun immer wieder auftretenden Spannungen nur logische Konsequenz. So ist beispielsweise die Verwendung von Altgummireifen verboten – für viele Kiezbewohner handelt es sich dagegen um wiederverwendbare Ressourcen, sei es als kleine Pflanzbeete oder für das Anlegen von Stufen im Terrain. Und dann müsste ein Gemeinschaftsgarten eigentlich ganz hermetisch umzäunt sein – auch dies ist nicht der Fall bei der Aula Libre La Chiguaza.
Statt sich an der behördlichen Starrheit und Vertikalität abzuarbeiten, hat man bei der Aula Libre entschieden, dass die Aula Libre nicht einfach nur ein Gemeinschaftsgarten ist, sondern ein Raum der Begegnung, des Schaffens und des Gemeinschaftslebens, in dem der Garten nur ein Bestandteil eines bunten Mosaiks von Aktivitäten, Nutzungen und Initiativen ist.
Aber gerade weil sich die Aula Libre nicht als herkömmlicher Garten outfittet, um unter anderem so den Vorschriften des Botanischen Gartens zu entwischen, hat man auch keinen Zugang zu öffentlichen Fördermitteln – etwa den Geldern, die die Bewohner der Quartiere im Rahmen des Bürgerhaushalts vorrangig für Urban Gardening priorisieren.
Dies ist laut Sebastián aber gar nicht mal nur nachteilig: „Auf diese Weise laufen wir nicht Gefahr, die Autonomie und Unabhängigkeit des Prozesses angesichts politischer Interessen zu verlieren; das ist vielen Kollektiven schon passiert“.

Kiez - Schritte der Wiederentdeckung

Dialog und Konsenssuche haben die allermeisten Gruppen und Kollektiven des Kiez ganz oben auf dem Zettel. Konflikte werden vermieden, Kontroverse dagegen gar nicht. Mit institutionellen Vorschriften darf es aber auch mal krachen. Stefanía und Sebastián rücken gegen Ende der Podcast-Produktion noch mit einem O-Ton mit Tiefblick heraus:„Manchmal denkt man, dass das, was man tut und im Kiez anschiebt, eigentlich keine Relevanz hat. Aber die Podcasteinladung, über den Prozess der Aula Libre zu sprechen, und jetzt der Besuch des Almanachs hier sind ja eigentlich Zeichen dafür, dass wir dann doch nicht absolut falsch liegen“. Zweifellos handelt es sich um einen Prozess, der durch seine Authentizität besticht, auch wenn er in seiner ganzen tiefgreifenden Bedeutung für diejenigen, die nicht den Alltag in diesem Gebiet leben, nicht ganz leicht zu verstehen ist.
Der mittlere Abschnitt des Chiguazaflusses und sein Korridor besitzen für den Grossteil der Kollektive eine grössere Deutungshoheit bezüglich ihrer kulturräumlichen Zugehörigkeit als die bis dahin stärker dominierende Stadtviertelidentität. Epsilon mit Felipe Gamboa und anderen Mitstreiter:Innen ist eines der Kollektive, welches eine Identitätskampagne in diese Richtung gestartet hat, darauf abzielend, den Korridor als das prägende Kiez-Element zu verinnerlichen statt sich in gegenseitig absondernde Stadtviertel-Cliquen auseinanderzudividieren.
Das Zugehörigkeitsmerkmal Chiguaza wurde wiederentdeckt und hilft bei der Community – Bildung. Seit 2017 hat der Chiguaza-Korridor an Bedeutung und als Aufmerksamkeitsträger ständig zugelegt. Für die Leute in den Quartieren besteht der Chiguaza – Korridor in sozio-ökologischer und kultureller Hinsicht nicht aus der Summe von Organisationen und Lokalitäten entlang des Flusslaufs, wie Perlen an einer Kette, sondern wird zunehmend als integrales Ganzes verstanden.

Der Fluss: zwischen Vergessenheit und Widerstand

Die Älteren erinnern sich noch daran, dass die Chiguaza mit ihren kleinen Auenwälder vor einigen Jahrzehnten noch der ideale Ort für Sonntagsspaziergänge waren, wo sogar im Fluss gebadet wurde. Diejenigen, die erst später hierherzogen oder aufwuchsen, kannten nur einen schlimm verschmutzen Wasserlauf, dessen unmittelbares Einzugsgebiet zu No-Go-Zonen degradierten.
Tabuzonen, die kaum frequentiert werden; Brennpunkt in Sachen Drogenkonsum und –handel, sexualisierter Gewalt etc.. Sebastián fasst es in Worte: „Der Flusskorridor und die Anrainerflächen sind für viele hier Synonym für Gefahr und Verschmutzung. Diese Stigmatisierung setzt eine Spirale der Vernachlässigung und des Verfalls dieses Raums in Gang und führt zu einem fast vollständigen Rückzug aus dem Leben und dem Alltag der Menschen“. Dieses skizzierte Szenarium erklärt die große Bedeutung, den Fluss und seinen Korridor als kulturräumliches Bestimmungsmerkmal aus der Versenkung zu heben. Gehen tut es dabei um die Wiederherstellung der authentischen Identität eines sozio-ökologisch degradierten Territoriums und seinen Bewohner:Innen. La Chiguaza ist zu einem Symbol für die Wiederbegegnung der Menschen mit dem Wasser, der Natur und dem öffentlichen Raum geworden.

Wiederhergestellte Räume

Wenn Du / Sie an Deine / Ihre Umgebung denkst/en: Gibt es Schmuddelecken oder No-Go-Areas, eben vergessene, verlassene, stigmatisierte Orte, die durch gemeinschaftliches Handeln rehabilitiert werden könnten? Was wäre zu tun?

Teil des Ganzen

In vielen Gesprächen und Erzählungen kommt das Gefühl der Zugehörigkeit zum Territorium stark zum Ausdruck. So darf es nicht wundern, dass nun immer lauter die Rechte der Natur, in diesem Fall des Flusses und seines Korridors eingefordert werden.
Obwohl der Fluss selbst immer noch stark verschmutzt ist und sein Lauf an einigen Stellen noch immer als illegale Mülldeponie missbraucht wird, ist eine bemerkenswerte Rehabilitierung der Anrainerzonen, mit der Schaffung von Parks, Sportanlagen und Plätzen erreicht worden. Der Parque Jaime Garzón vermittelt durch seine Graffiti visuell die Wiederentdeckung des Chiguaza – Korridors. Derzeit geht es darum, Druck auf die Wasserwerke Bogotás als zuständige öffentliche Einrichtung auszuüben, um eine vollständige Sanierung des Wasserlaufs zu erreichen.

Neue Form der Organisation und territoriale Autonomie

Ein großer Teil des sozio-organisatorischen Gefüges hat es geschafft, die segmentierte und oft atomisierte Sichtweise aus dem Blickwinkel jedes einzelnen Stadtviertels zu überwinden und die Abhängigkeit von politischen Gefälligkeiten oder unmittelbaren Vorteilen aufzugeben. Hierarchische Strukturen verlieren an Einfluss und Bedeutung und werden durch miteinander verbundene und horizontale Netzwerke ersetzt, die auf Gegenseitigkeit und Zusammenarbeit beruhen. Ein deutliches Beispiel für diesen Wandel ist das Networking zwischen den verschiedenen Gemeinschaftsgärten des Korridors. Hier machen etwa zehn Gemeinschaftsgärten, darunter Huerta del Barrio, Newen Maipú, Aula Libre La Chiguaza mit. Die monatlichen Treffen, jedesmal bei jemanden anders der Gruppe ermöglichen gegenseitige Unterstützung, Erfahrungsaustausch und vor allem Stärkung des Gemeinschaftsgefüge.

Mondwellen und Notiloma: ein Kiez, der sich neu erfindet

Der Name Chiguaza, eigentlich Chigüazá geschrieben stammt aus der Sprache der Muiscas, der lokalen Ursprungsbevölkerung und bedeutet soviel wie „Wellen des Monds“. Ein Mond, der sich im Wasser der Chiguaza spiegelt und in wellenförmige Bewegung gerät. Gegenwärtig ist La Chiguaza für viele der Bewohner:innen der Quartiere viel mehr als ein Fluss: sie steht für Territorium, Identität, Erinnerung und Widerstand. Sie ist auch zum Symbol des gemeinschaftlichen Wiederentdeckungsprozesses geworden. Eine Historie, die es wieder an die Obderfläche des Bewusstseins im Kiez geschafft hat. Hierfür haben unterschiedliche Kollektive die unterschiedlichsten Initiativen angestossen, in Sachen Umwelt, Kultur, Kunst und Community. Das Kollektiv Épsilon hat neben dem Gemeinschaftsgarten die Batucada-Gruppe La ChiguaTuque sowie künstlerische Matinees ins Leben gerufen und mischt auch beim örtlichen Graffiti-Panel mit, das Identitätswurzeln des Kiez plastisch werden lässt.

Aktive Mitarbeit

Kennen Sie / kennst Du Formen oder Praktiken, die helfen, stärker zu kooperieren statt zu konkurrieren und zu teilen statt zu dominieren?

Besuchskarawanen

Die Aula Libre La Chiguaza hat die monatlichen Reih-um-Meetings zwischen den Gemeinschaftsgärten ins Leben gerufen, daneben auch die Instrumentalgruppe Sicuris Chiguasur – mit ihren Schilfrohrflöten, den Erben der andinen Zampoñas. Hin und wieder ist auch ein Wochenschautheater angesagt, häufig auch als Puppenspiel (läuft unter dem Namen Notiloma), wo Umweltprobleme sowie andere Kiez-Herausforderungen ludisch und durch Reflexion thematisiert werden. Jede Gruppe hat ihre eigene Art zu handeln, zu fühlen und zu denken.

Divers aber gemeisam

Es gibt Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede, wie es bei einem lebenden und autonomen Gewebe natürlich ist. Was jedoch alle verbindet, ist ihr wiederentdeckter Kiez, der sich wie der wogende Mond im Rhythmus des Territoriums bewegt.

Diesbezüglich wärs toll, wenn Sie / Du Ihre / Deine Tipps und Erfahrungen in Form einer Nachricht mit uns teilst; wir geben sie dann in unseren sozialen Netzwerken weiter.!

Quintessenzen in Richtung Zukunft

1

Das Territorium, als unmittelbares lokales Lebensumwelt verstanden, als wichtiger Bestandteil unserer kulturellen Identität zu begreifen, ermöglicht es, die Anonymität des Großstadtdschungels zu durchbrechen und Stereotypen von Vertikalität, Hierarchie und Rivalität zu überwinden. So kann lebenswerte Zukunft entstehen, wo wir miteinander etwas am Hut haben und als Gemeinschaft füreinander sorgen.

2

Die Rehabilitierung stigmatisierter Räume und Zonen durch kollektive und gemeinschaftliche Initiativen ist möglich: Aula Libre und Co zeigen, wies geht. Manchmal kann eine kleine Aktion der erste Schritt tiefgreifender Veränderungen sein. Urbane Akupunktur ist oft der Startschuss für eine Rehabilitation des sozio-territorialen Gefüges.

3

Durch die Veränderung von Routinen und Beziehungskonstellationen können Machtverhältnisse aufgebrochen und neu gestaltet werden. Die Praxis der gegenseitigen Besuche und ihrer Karawane der Gegenseitigkeit der Gemeinschaftsgärten ist ein Beispiel, wo Herrschaftslogiken durchbrochen und durch horizontale Reziprozität schrittweise ersetzt wird.

4

Möglicherweise steckst Du / stecken Sie schon mitten in Transformationsprozessen Deines / Ihres Quartiers und Kiez: Networking und gegenseitiger Unterstützung, Kunst und Kultur, Tauschbörse, Nachbarschaftsmeetings usw.. La Chiguaza zeigt, dass Veränderungen mit kleinen Schritten beginnen.
Der Text entstand auf der Grundlage von Ortsbesuchen des Chiguaza-Korridors im Süden von Bogotá (Localidad Rafael Uribe Uribe Uribe und UPZ Diana Turbay) und Gesprächen mit Sebastián Ayala, Stefania Bustos, Sonia Londoño, Leidy Hernández, Laura Moyano, Christian Zuluaga und Felipe Gamboa sowie weiterer Personen verschiedener Kollektiven, darunter Aula Libre La Chiguaza, Épsilon, Huerta del Barrio, Newen Mapu. Der zunächst mit Sebastián Ayala vereinbarte Besuch fand im Februar 2025 statt. Hierfür allerbesten Dank an Sebastián. Der Besuch des Almanachs der Zukunftsalmanachs wurde, wie üblich von Jorge Krekeler (Koordinator des Zukunftsalmanachs und Berater Misereors im Auftrag von Agiamondo) wahrgenommen. An dieser Stelle sei allen Personen für ihre Offenheit und ihr Entgegenkommen gegenüber der Neugierde des Zukunftsalmanachs gedankt.

Autoren:

Layout:

  • Gabriela Avendaño

Fotomaterial:

  • Sebastián Ayala
  • Jorge Krekeler

Kontaktangaben in Bezug auf dokumentierte Erfahrung:

AUSGABE:

september 2025

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Autoren:
Jorge Krekeler
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Informationsquellen

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