Art 35. Die Natur funktioniert anders als der Supermarkt – Einblicke in die solidarische Landwirtschaft

Essen ist ein politischer Akt. Die solidarische Landwirtschaft vereint landwirtschaftliche Betriebe und Familien in gegenseitigen Wirtschaftsgemeinschaften, die das Wohlergehen von Mensch und Umwelt in den Vordergrund stellen und durch verantwortungsvolle Zusammenarbeit und außerhalb der Komfortzone faire, gesunde und nachhaltige Lebensmittel erzeugen und konsumieren.
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Prosumenten auf Augenhöhe

Zu Besuch auf dem Dollingerhof in Offenbau-Thalmässing nahe Nürnberg steht ein Gespräch mit Claudia Dollinger an. Sie kommt aus einer Bauernfamilie; allerdings musste ihr Vater den Hof als Haupterwerbsquelle aufgeben und sich auf dem Bau verdingen. „Seitdem“, erinnert sich Claudia, „ging meine Mutter bei Aldi einkaufen.“ Claudia arbeitete zunächst als Sozialarbeiterin und Pädagogin, während ihr Ehepartner Karl den elterlichen Betrieb vor ca. 30 Jahren übernahm und ihn als einer der ersten in der Region und gegen den Willen des Vaters auf Bio umstellte. Claudia entschied sich vor 6 Jahren ebenfalls für das Leben und Arbeiten auf dem Hof. Ein von einer Ökobank organisierter Vortrag über den Buschberghof, der seit den 1950er Jahren auf einer Fläche von 116 Hektar biologisch-dynamisch wirtschaftet, war schließlich der letzte Anschubser, den Karl brauchte, um eine folgenschwere Entscheidung zu treffen: Bauer statt Geld. „Wir haben noch alle Bereiche auf dem Hof, unter anderem Ackerbau und Gemüseanbau, Milchvieh, Hühner und Schweine“, erzählt Claudia. „Für mich stand fest, dass ich nicht nur auf meiner Scholle sitzen, sondern eine saubere und faire Landwirtschaft betreiben will, bei der sich Produzierende und Konsumierende, also Prosument/innen, auf Augenhöhe begegnen.“

Solidarische Landwirtschaft bedeutet, dass Servicedenken zu überwinden

Langsam stiegen die Dollingers in die Solidarische Landwirtschaft (Solawi) ein. Auch wenn das Solawi-Konzept in Deutschland bereits seit 25 Jahren angewandt wird und mittlerweile circa 240 Höfe – Tendenz steigend – das Konzept der Solidarischen Landwirtschaft praktizieren, war der Beginn nicht einfach.

Was ist Solawi?

Bäuer/innen und Verbraucher/innen auf Augenhöhe

Konkret handelt es sich bei Solawi um einen Zusammenschluss zwischen einem Hof und einer Gruppe privater Haushalte. Bäuer/innen und Mitbäuer/innen bilden dabei eine Wirtschaftsgemeinschaft, welche auf die Bedürfnisse der Menschen abgestimmt ist und die natürliche Mitwelt berücksichtigt. Auf der Grundlage der geschätzten Jahreskosten der landwirtschaftlichen Erzeugung verpflichtet sich die Gruppe, jährlich einen festgesetzten Betrag an den Hof zu zahlen. Hierdurch wird den Bäuer/innen ermöglicht, sich unabhängig von Marktzwängen einer guten landwirtschaftlichen Praxis zu widmen, den Boden fruchtbar zu erhalten und bedürfnisorientiert zu wirtschaften. Die Abnehmenden erhalten im Gegenzug die gesamte Ernte sowie weiterverarbeitete Erzeugnisse. Der persönlich Bezug macht die gegenseitige Verantwortung bewusst. Die Mitglieder erleben, wie ihre Ernährungsentscheidung die Kulturlandschaft gestaltet und dadurch soziales Miteinander, Naturschutz und (Arten-)Vielfalt gestärkt und geschützt werden, damit eine zukunftsfähige Landwirtschaft stattfinden kann. Wesentlich ist also, dass eine Gruppe die Abnahme der Erzeugnisse garantiert und die Ernte bzw. alles, was notwendig ist, um diese zu erzeugen, idealerweise vorfinanziert wird – durch einen Jahresvertrag der Sicherheit verleiht. Alle teilen sich die mit der Produktion verbundene Verantwortung, das Risiko, die Kosten und die Ernte.

Mehr Solidarität, weniger Ausbeutung

Menschen, die in der Landwirtschaft arbeiten, haben meist nur die Wahl, entweder die Natur oder sich selbst auszubeuten. Ihre Existenz hängt von Subventionen und vom Markt bzw. den Weltmarktpreisen ab. Beides sind Faktoren, auf die sie keinen Einfluss haben und die sie häufig zwingen, über ihre persönliche Belastungsgrenze hinaus sowie diejenige von Böden und Tieren zu gehen, oder ganz aus der Landwirtschaft auszusteigen. Auch der ökologische Landbau ist von diesem Mechanismus nicht ausgenommen.

Solawi ist kein Trend, sondern ein Konzept

Solidarische Landwirtschaft ist eine innovative Strategie für eine lebendige, verantwortungsvolle Landwirtschaft, die gleichzeitig die Existenz der Menschen, die dort arbeiten, sicherstellt, und einen essenziellen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leistet.
https://solawi-dollinger.de/was-ist-solawi/

„Nach 30 Jahren Direktvermarktung war man den direkten Kontakt zuden Konsument/innen gewohnt, aber dieses Konzept greift zu kurz. Unsere Solawi ging mit 20 Prosument/innen in Nürnberg los und wurde damals noch von der Stadt Nürnberg unterstützt,“ erinnert sich Claudia. „Solawi bedeutet, dass Servicedenken zu überwinden. Wir arbeiten nach dem Motto: Du willst Lebensmittel – ich bau sie für Dich an und sag was das kostet, und was herauskommt, verteilen wir an alle die mitmachen, unabhängig davon, wie die Ernte ausfällt. Natur ist anders als der Supermarkt; es gibt nicht immer alles, und dies ist ein Zeichen eines intakten Ökosystems.“ Auf der Suche nach weiteren Ernteteiler/innen stellte sich schnell heraus, dass die Supermarktmentalität bei vielen voll auf Kosten ihrer Anpassungsfähigkeit geht. Claudia hielt während der Solawi-Startjahre jährlich bis zu 30 Vorträge in sozialen Netzwerken und Quartieren von Nürnberg. „Ich hab immer die gleiche Botschaft gestreut: Wir suchen Menschen, die mit uns diesen Hof bewahren wollen. Wenn die Leute mitbekommen, dass es keine Vermarktungsmasche ist, sondern ein auf Solidarität basierendes Konzept, machen viele auf.“ Mittlerweile sind 280 Ernteteiler/innen zusammengekommen, meist Familien, aber auch Unistudent/innen. Die Solidarische Landwirtschaft des Dollingerhofs versorgt etwa 600 Menschen. „Unser Top“, so Claudia, „liegt bei dreihundert Ernteteiler/innen.“

Wir haben alle etwas zu lernen

Der Hof arbeitet nicht kommerziell, sondern kostendeckend. Aus den Kosten erschließt sich der Richtwert eines Anteils. Dieser Richtwert ist als Mindestbeitrag zu verstehen. Gib so viel, wie Dir möglich ist, und ermögliche damit auch denjenigen den Zugang zur Solawi, die sich vielleicht den Richtwert nicht leisten können. In diesem Beitrag sind auch der Transport der Lebensmittel vom Land in die Stadt und die jährlichen Gebühren für das Depot, in welchem man seine Lebensmittel abholt, enthalten. Der andere Teil des Beitrags zu einer funktionierenden Solawi besteht aus mindestens 2 halben Tagen Mitarbeit auf dem Hof und/oder Engagement bei Veranstaltungen und Infoständen.
Der Monatsbeitrag für den wöchentlichen Ernteanteil variiert, je nachdem ob vegetarisch, vegan oder mit Fleisch, zwischen 118 und 157 Euro; halbe Ernteanteile gehen auch, und es besteht die Möglichkeit, zunächst vier Probewochen zu machen. „Einige Anteilsfamilien zahlen im Voraus, die meisten monatlich“, erklärt Claudia. Die Höhe des Monatsbeitrages wird einmal jährlich bei der Ernteteiler/innenversammlung festgelegt. Dabei handelt es sich um einen Richtpreis, der finanzielle Durstrecken einzelner Ernteteiler/innen verzeiht, andererseits Besserverdienende (zu der schätzungsweise zwei Drittel des Ernteteileruniversums des Dollingerhofs gehören) dazu einlädt, einen höheren Beitrag zu entrichten. Eine Bilanz diesbezüglich weist noch viel Luft nach oben aus. „Als Bauernfamilie werden wir nicht reich, haben aber fürs ganze Jahr finanzielle Sicherheit“, betont Claudia. Allerdings ist die Arbeit auf dem Hof mit der Solawi nicht weniger, sondern mehr geworden. „Durch die Diversität ist der Hof recht arbeitsintensiv, zudem musste der ehemalige Familienbetrieb für Fach- und Hilfskräfte geöffnet werden,“ ergänzt Claudia. Urlaub, Rente und Freizeit kommen am Hof viel zu kurz; ohne hohe Leidensfähigkeit, so die Aussenwahrnehmung, wäre all dies nicht stemmbar. Claudia stimmt dem zu: „Eben diese Leidensfähigkeit hat die letzten bäuerlichen Höfe bis heute überleben lassen. Wir sind Survivalexpert/innen. Doch es wird schwieriger. Seit 1999 sind 42 Prozent der Höfe den Bach hinunter gegangen. Was einmal weg ist, kommt nicht wieder. Das Land reißen sich dann die Großen unter den Nagel“.

Philosophie des Dollingerhof

Wir wollen unseren Beitrag leisten für eine längst fällige Agrarwende.
Das ist uns dabei besonders wichtig:


Landwirtschaft im Kreislauf – Lebensmittel direkt weitergeben an die Verbraucher – Landwirtschaft in Freiheit und mit Zeit und Musse für Tier und Boden – Erhalt der Vielfalt und Biodiversität am Hof – Aktiver Klimaschutz – Müllvermeidung und Verpackungsfreiheit – Faire Arbeitsbedingungen schaffen – Förderung der Vielfalt in den Lebensräumen Wasser, Ackerland, Wiesen, Wege – Vielfalt der Arten, wie Tiere, Pflanzen, Pilze, Mikrorganismen – Vielfalt der Wechselbeziehungen innerhalb und zwischen den vorher genannten Punkten


https://solawi-dollinger.de/philosophie/

Von Depots und krummem Gemüse

Die Mehrheit der Ernteteiler/innen lebt in Nürnberg und hat sich nach Quartieren zu Depots zusammengeschlossen, insgesamt 12 an der Zahl. Diese Depots werden wöchentlich vom Dollingerhof beliefert. Die Ernteprodukte werden entsprechend der Anzahl der Ernteteiler/innen ins Depot gestellt, und jede/r holt dort seine Ernte ab. Die Ernteteiler/innen aus Offenbau erhalten ihren Anteil direkt am Hof. Die Selbstabholerdepots, zu denen Eichstätt, Neumarkt und Ingolstadt gehören, organisieren selbstständig das wöchentliche Abholen am Hof.

Geteilt wird die gesamte Ernte, auch das krumme Gemüse. Rote Bete und Grünkohl gelangen bei üppiger Ernte auch mal als Pesto oder Aufstrich in die Ernteanteile. Verpackung ist praktisch inexistent im Verteilungssystem. Die Depotgemeinschaften verwandeln sich im optimalen Fall schrittweise in kleine sozial-ökologische Transformationsbiotope, die das Konzept der Solawi bekannter machen und sich auch darüber hinaus für einen gesellschaftlichen Wandel einsetzen. So ist das Depot in Eichstätt entscheidend an der Entstehung des Nachhaltigkeitsnetzwerks fairEInt – Initiative nachhaltige Region Eichstätt beteiligt.

„Von Jahr zu Jahr hatten wir bisher etwa 30% Fluktuation bei den Ernteteiler/innen, aber langsam wirds stabiler“, sagt Claudia. 7 von 10 Ernteteiler/innen sind jünger als dreissig. „Bio- und ökobewusst sind viele Leute, aber die meisten haben keinen detaillierten Kenntnisse in Sachen Landwirtschaft. Information und Kommunikation sind deshalb das A und O, unser Newsletter geht an 900 digitale Adressen. Einmal jährlich starten wir eine Fragebogenaktion, um gemeinsam mit dem Ernteteiler/innenkollekitv unsere politische Arbeit ausrichten zu können.“ Solawi Dollinger macht beim Bundesnetzwerk Solidarische Landwirtschaft inklusive Lobbyarbeit im Bundestag mit; Volksbegehren zu Artenvielfalt, Klimakrise und Agrofonds, auch Fridays for Future und Wir haben es satt sind auf dem Radar. Die Solawi-Kerngruppe, die aus 2 Ernteteiler/innen pro Depot und Claudia besteht, trifft sich alle 4 bis 6 Wochen in Nürnberg, um anstehende Aufgaben zu besprechen und mögliche Probleme zu bewältigen. Da es 2018 und 2019 in Folge der Klimakrise kaum regnete, konnte das Frühgemüse nur durch Bewässerung durchgebracht werden. Die Folge ist eine Wasserrechnung von zusätzlich 8.000 Euro. Um sich produktionstechnisch auf die Klimakrise einzustellen, sind weitere 30.000 Euro für ein Bewässerungssystem fällig. Dabei richtet der Dollingerhof seinen Anbau ohnehin bereits am Klima aus, so dass zum Beispiel in trockenen Sommern kein Broccoli mehr angebaut wird.

„Von Jahr zu Jahr hatten wir bisher etwa 30% Fluktuation bei den Ernteteiler/innen, aber langsam wirds stabiler“, sagt Claudia. 7 von 10 Ernteteiler/innen sind jünger als dreissig. „Bio- und ökobewusst sind viele Leute, aber die meisten haben keinen detaillierten Kenntnisse in Sachen Landwirtschaft. Information und Kommunikation sind deshalb das A und O, unser Newsletter geht an 900 digitale Adressen. Einmal jährlich starten wir eine Fragebogenaktion, um gemeinsam mit dem Ernteteiler/innenkollekitv unsere politische Arbeit ausrichten zu können.“ Solawi Dollinger macht beim Bundesnetzwerk Solidarische Landwirtschaft inklusive Lobbyarbeit im Bundestag mit; Volksbegehren zu Artenvielfalt, Klimakrise und Agrofonds, auch Fridays for Future und Wir haben es satt sind auf dem Radar. Die Solawi-Kerngruppe, die aus 2 Ernteteiler/innen pro Depot und Claudia besteht, trifft sich alle 4 bis 6 Wochen in Nürnberg, um anstehende Aufgaben zu besprechen und mögliche Probleme zu bewältigen. Da es 2018 und 2019 in Folge der Klimakrise kaum regnete, konnte das Frühgemüse nur durch Bewässerung durchgebracht werden. Die Folge ist eine Wasserrechnung von zusätzlich 8.000 Euro. Um sich produktionstechnisch auf die Klimakrise einzustellen, sind weitere 30.000 Euro für ein Bewässerungssystem fällig. Dabei richtet der Dollingerhof seinen Anbau ohnehin bereits am Klima aus, so dass zum Beispiel in trockenen Sommern kein Broccoli mehr angebaut wird.

Du bist ja blöd, wenn Du Dir die Arbeit machst

Pro Jahr sind bei der Solawi Dollinger zwei halbe Mitmachtage angesagt: das Hack- und Jätefestival sowie das Erntefestival. Eingeladen sind alle, ein Teil der Solawist/innnen kommt und wird zu Mitbäuer/innnen. Die Verbundenheit der Teilnehmer/innen beschränkt sich aber nicht nur auf die eigene Depotgruppe, sondern schliesst den gesamten Hof ein, der sie versorgt. Für alle ist ein „Weg von der Einkausfsmentalität“ angesagt: ob es nun die Sauerkrautproduktion oder die Wurstherstellung als Bestandteil der Ernteanteile auf dem Hof sind oder das Einkochen von Äpfeln seitens der Ernteteiler/innen.
Claudia hat mittlerweile einen weiteren Traum Wirklichkeit werden lassen: 15 Kinder gehen in den Hofkindergarten. „Das grösste Problem“, so Claudia, „war neben dem umfangreichen Papierkram nicht etwa die Besorgtheit der Eltern, sondern passendes Erzieherpersonal zu finden, dass sich am Konzept einer naturnahen Vorschulerziehung, die durch die Jahreszeiten geht und das Verstehen von Kreisläufen durchs Tun vermittelt, nicht verhebt“. Die Idee einer Hofschule ist auch auf Claudias Bildschirm, „aber da müsste schon jemand steuernd einsteigen“, so ihr Statement.

Wir finanzieren den Hof und dann schauen wir, was wir bekommen

Die Dynamik in den Depots hängt von den Personen ab und auch davon, dass die Betreuungsfunktion bei Wechseln effektiv übergeben wird. Marie Döpke und Ina Limmer leben in Eichstätt, etwa fünfzig Kilometer vom Dollingerhof entfernt ,und erfuhren durch ein Infocafe im April 2017 an der Uni von der Solawi am Dollingerhof. Im September 2017 entschloss sich Ina mit ein paar Mitstreiter/innen dazu, auch in Eichstätt Solawi zu etablieren. Kurz danach kam Marie dazu, und beide wurden zu Ernteteilerinnen und Betreuerinnen der Depotgruppe Eichstätt. „Eigentlich haben wir nach einem nähergelegenen Hof mit Solawi gesucht, aber wir fanden keinen. Zunächst waren wir 10 Ernteteiler/innen, dann ging es auf 7 zurück, und mittlerweile sind wir 11,“ erzählen die beiden. Das Anwachsen der Gruppe passierte dank der Werbung von Ina und Marie in ihrem sozialen Umfeld. „Es ist normal, dass einige nach einer Anfangsphase dann auch wieder aussteigen.“ Die Tatsache, keine Auswahl zu haben, sondern zu essen, was gerade geerntet wird, ist für einige zunächst inakzeptabel, zumindest aber gewöhnungsbedürftig. „
Es ist eine andere Kochart, da man das Rezept entsprechend der Ernte auswählt und nicht umgekehrt“, ergänzen die beiden. Bevor Marie und Ina bei der Solawi einstiegen, kauften sie auf dem Wochenmarkt und im Bioladen ein. „Im Bioladen gabs Biokartoffeln, die dann aber aus Ägypten kamen; außerdem störte mich die viele Verpackung,“ sagt Ina. Marie fügt hinzu: „Auf dem Wochenmarkt kauft man letztendlich auch von Zwischenhändlern. Man kennt den Hof nicht genau, von dem die Lebensmittel kommen, und es bleibt immer ein Restzweifel, ob es denn wirklich Produkte aus sauberer Produktion sind.“ Sowohl Ina als auch Marie kaufen neben ihren Ernteanteilen andere Lebensmittel dazu, wie beispielsweise Reis, Teigwaren, Milchprodukte oder Obst, bei letzterem je nachdem, wie üppig die Ernte ausfällt.
„Das Finanzielle, also der Monatsbetrag für den Ernteanteil, ist für die meisten nicht das ausschlaggebende Moment, um an der Solawi teilzunehmen,“ sagt Marie. „Ich hab immer Lust gehabt, einen eigenen Garten zu haben. Ausserdem wollte ich aus der reinen Konsumentinnenrolle aussteigen und eine Nähe zum Hof haben, von dem das stammt, was ich esse. Es ist eine andere Verantwortung, die man durch Solawi übernimmt.“ Beide lesen mittlerweile die Wettervorhersage für die Region Thalmässing, wo der Dollingerhof liegt, mit anderen Augen.

Lebensmittel für Menschen, nicht für Märkte

Biobauern und Solawihöfe, die Flächen hinzupachten müssen, können sich gegenüber der Agroindustrie nur begrenzt behaupten. Der Dollingerhof hat sich für das Solawikonzept entschieden, um die Landwirtschaft, die seit jeher am Hof betrieben wird, aufrecht erhalten zu können. „Lebensmittel für Menschen, nicht für Märkte“, lautet die Motivation. Aber ohne günstige saisonale Erntehelfer/innen wäre es bisher auch hier nicht gegangen. Ein möglicher Stellhebel wäre eine Subventionierung der Solawihöfe durch den Staat und die EU – hier würden Subventionen sicherlich Sinn machen. Auch dass besser Verdienende solidarisch mehr Beiträge bezahlen, wäre sinnvoll. Grundsätzlich wird einfach zu wenig für Lebensmittel ausgegeben.
Claudia, deren Engagement keine Grenzen kennt, gehört auch dem Vorstand des Verbands Solidarische Landwirtschaft an; für die umfangreiche Kommunikationsarbeit rund um die Solawi braucht es jedoch Verstärkung. Auf die abschliessende Frage, warum gerade Solawi, sagt sie: „Aus der Erfahrung heraus, dass alles andere keinen Sinn macht. Die meisten Bioprodukte kommen nicht von Höfen, sondern auch von Grossunternehmen. Solawi ist ein kein perfektes System und ein Lernprozess für alle Beteiligten; aber es geht in die richtige Richtung: mehr Solidarität und ein Versorgungsprozess mit gleichverteilten Lasten.“

Quintessenzen in Richtung Zukunft

1

Kohärenz von Ackerfurche bis zum Kochtopf – es geht also auch anders, wo die Zukunft nicht unter die Räder gerät.

2

Essen was kommt – der entscheidende Schritt von Konsument/innen zu Prosument/innen.

3

Nachhaltige Produktion und Ernährung – solidarische Kooperation jenseits destruktiver Komfortzonen.

Der Text, der auf Besuche und Gespräche vor Ort basiert, wurde von Jorge Krekeler (Berater Misereor als AGEH Fachkraft) erstellt, zunächst jedoch mit den Interviewpartnerinnen konsensfähig gemacht. Besonderen Dank gilt Claudia Dollinger, Marie Döpke und Ina Limmer sowie dem Nachhaltigkeitsnetzwerk fairEInt – Initiative nachhaltige Region Eichstätt.

Autoren:

  • Jorge Krekeler / jorge.krekeler@posteo.de

Layout:

  • Nicole Maron

Bildmaterial:

Jorge Krekeler

Kontaktangaben in Bezug auf dokumentierte Erfahrung:

Kontaktangaben in Bezug auf dokumentierte Erfahrung:

Claudia Dollinger

email: claudia-dollinger@posteo.de

https://solawi-dollinger.de/

https://www.facebook.com/pg/solawidollinger/about/

www.solidarische-landwirtschaft.org

Marie Döpke y Ina Limmer / Depósito Eichstätt: solawi-eichstaett@posteo.net

fairEInt, email: info@faireint-eichstaett.de

www.faireint-eichstaett.de

AUSGABE:

Octubre 2019

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Jorge Krekeler
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Informationsquellen

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