Wasserknappheit und Konflikte
Regenernte
Es sind vornehmlich Frauen, die an den Kursenteilnehmen und die Kenntnisse danach in ihren Vierteln in die Praxis umsetzen. Maggy Palacios, die sich bei RH um die Kommunikation kümmert, erzählt: „Mehr als 90% der Leute, die unsere Schulungen besuchen, sind Frauen. Konkrete Anpassungsmassnahmenan die Klimakrise finden überhaupt nur Dank des Engagements der Frauen statt.“
Zu Besuch bei Eusebia Vargas im Stadtviertel 14. September in El Alto zeigt sie die Installationen, welche sie, unterstützt durch RH,in Sachen Regenwasserauffang und -nutzung erreichen konnte. Die Dachfläche fängt den Regen auf, welcher dann über eine Regenrinne und eine Rohrzuleitung zu zwei einfachen Sedimentations- und Wasserfilterkammernund von dort weiter zu einem Vorratstank geleitet wird. Ein Solarpanel erzeugt Energie und speichert diese in einer Batterie, so dass das Wasser mit einer kleinen Pumpe in einen zweiten Hochtank gepumpt werden kann. Für dieToilettenspülung und die gesamte Wäsche wird Regenwasser benutzt; genauso wie für das Giessen derBlumentöpfe und des kleinen Gemüsegartens. Während der Regenzeit erlaubt das kleine Regenwasserauffang- und Versorgungssystem Eusebia, ihre monatliche Wasserrechnung erheblich zu senken. Einige Familien sparen dank dieser Regenwassernutzungssysteme die Hälfte des vorher verbrauchten Leitungswassers ein. Diese Einsparung von bis zu zehn Euro pro Monat macht sich in den meist schmalen familiären Haushaltskassen deutlich bemerkbar. Die Installationskosten einer Regenwassernutzungsanlage belaufen sich auf 1.600 Bolivianos – das entspricht rund 200 Euro. Unter Berücksichtigung der Tatsache, dass es nicht jeden Monat regnet, schafft es eine Familie dennoch, in weniger als vier Jahren die Ausgaben für die Installation eines Wasserauffang- und Nutzungssystems zu amortisieren.
Solarenergie und heiße Dusche
Numa Lázaro, ein engagierter Nachbar aus dem Stadtviertel Provenir hat sich zusammen mit seiner Familie für eine alternative Möglichkeit entschieden, um zu Hause eine heiße Dusche zu haben. Eine Solarwarmwasseranlage auf dem Dach beliefert Dusche, Küchenspüle und Waschstelle mit heißem Wasser.
Der lange Weg der politischen Einflussnahme
Schwachstelle technische Wartung?
Von Schulen und Waschstellen
Im Stadtteil 14. September versorgte sich die Nachbarschaft viele Jahre lang aus den lokalen Wasserquellen; die zunehmende Verstädterung des Quartiers führte jedoch zu einer verstärkten Verschmutzung der Quelle, sodass die öffentlichen Wasserwerke die Funktion der Brunnen übernahm. Einmal mehr waren es die Frauen des Sektors, die zunächst den Nachbarschaftsrat und dann RH davon überzeugten, dieWasserquelle erneut zu nutzen. Dazu wurde eine die Wasserverschmutzung vermeidende Quellfassung, entsprechende Rohrleitungen, Speichertank, Solarpanel und Pumpe installiert.So entstand die öffentliche Waschstelle mit mehreren kleinen Waschbecken für Kleidungswäsche, ein Bereich zum Aufhängen und Trocknen sowie eine kleine Tribüne. Sonntags ist Waschtag im Quartier, und die Waschstelle ähnelt dann einem SocialEvent. Die Versammlungen des Nachbarschaftsrats finden nun auch an der Waschstelle statt, da die Tribüne Sitzplätze für alle bereitstellt. Catalina Mamani, eine der Nachbarinnen,hat das Konzept bereits kopiert und eine kleine Waschstelle in ihrem Garten eingerichtet, welche ebenfalls mit aufgefangenem Regenwasser gespeist wird.
Dezentrale Trinkwasserversorgung
Quintessenzen für die Zukunft
1
Aufgrund des Interesses und der Initiative von Frauen entstehen Maßnahmen, die die Resilienz ganzer Stadtquartiere gegenüber Risiken und Wasserstress erhöhen.
2
Mit der Regenwasserernte gehen Verbesserungen im Haushalt einher, die den Familien eine bessere Lebensqualität ermöglichen.
3
Advocacy-Maßnahmen gegenüber die öffentlichen Politik sind von wesentlicher Bedeutung, um die Anstrengungen der Bevölkerung in Richtung Resilienz und zukunftstauglicher Lebens- und Versorgungsformen zu fördern, anstatt sie zu behindern.
4
Die Schaffung von Anpassungs- und Präventionskapazitäten angesichts der Klimakrise fördert auch die Änderung von Routinen und Gewohnheiten zum Wohle eines nachhaltigen Wassermanagements.
Autoren:
- Jorge Krekeler / jorge.krekeler@posteo.de
Layout:
- Nicole Maron
Fotomaterial:
Jorge Krekeler
Kontaktangaben in Bezug auf dokumentierte Erfahrung:
Kontaktangaben in Bezug auf dokumentierte Erfahrung:
Red Hábitat,email: tareha@entelnet.bo
www.red-habitat.org




