Art 30. Trinkwasser statt Rohstoffausbeute

Die Verteidigung des Páramo de Santurbán ist ein Beispiel für den Widerstand der Menschen gegen den Extraktivismus. Eine Bürgerplattform wirbt mit positiven Botschaften für den Schutz des Wassers und des Territoriums und verwandelt den Widerstand in eine Alternative, die auf Identität und Zugehörigkeit beruht.
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Paramo – trinkwasserspeicher

Der Paramo von Santurbán gehört zur Gruppe der mehr als 30 Páramos Kolumbiens. Dabei handelt es sich um andine Ökosysteme, die in Höhenlagen zwischen 2’700 und 4’000 Metern anzutreffen sind und die Funktion von Wasserspeichern ausüben. Paramos sind auch in Ekuador, Peru, Venezuela und in Mittelamerika zu finden. Der Paramo von Santurbán umfasst einen Fläche von rund 190’000 Hektar und erstreckt sich von der Provinz Soto Norte des Departments Santander bis ins Nachbardepartment Norte Santander. Mehr als 2 Millionen Menschen beziehen ihr Trinkwasser von diesem Paramo; die Grossstadtmetropole Bucaramanga und vier angrenzende Kommunen schöpfen ihr Trinkwasser aus den Flüssen Suratá, Tona und Río Frio, deren Quellen im Paramo liegen. Cúcuta, Hauptstadt des Nachbardepartments Norte Santander, sowie andere Stadt- und Landkreise beziehen ihr Trinkwasser ebenfalls aus Flüssen, welche im Paramo entspringen. «Die Vegetation und die Böden im Paramo speichern während der Regenzeiten Wasser und ermöglichen so eine kontinuierliche Wasserührung während der Trockenzeiten», erklärt Mario Flórez, einer der Mitstreiter der Plattform zur Verteidigung des Wassereinzugsgebietes des Paramo von Santurbán. «Der Paramo besitzt die Funktion eines Schwamms, der unsere Trinkasserversorgung garantiert.» Die Trinkwasserversorgung von 80% der Bevölkerung Kolumbiens – mehr als 30 Millionen Menschen – hängt von den Paramos des Landes ab.

Interessenskonflikt: zwischen gier und leben

Kolumbien ist kein traditioneller Bergbaustandort, und seine Wirtschaft charakterisierte sich bis dato durch Kaffee, Landwirtschaft und Agroindustrie. Vor etwa 15 Jahren begann die damalige Regierung, die Wirtschaftsbasis in Richtung Mega-Bergbau zu verschieben. Im offiziellen Diskurs ist seitdem oft die Rede von der locomotora minera, sprich dem Mega-Bergbau als sinnbildlicher Lokomotive für den wirtschaftlichen Fortschritt des Landes. Das internationale Kapital kam der Einladung von Kolumbiens Regierung, in den Mega-Bergbau zu investieren, schnell nach: Transnationale Bergbauunternehmen begannen, Abbaukonzessionen zu kaufen; einige mit dem Interesse, diese Konzessionen danach mit Gewinn weiterzuverkaufen, wodurch die Börsenspekulation angeheizt wurde. Es entstand ein wahres Bergbaufieber in Kolumbien. In der Zone des Paramo von Santurbán wurde früher traditionell nur in zwei Landkeisen, California und Vetas, in kleinerem Masse Gold abgebaut. In dieser Zone kommen nach fachkundiger Einschätzung auf eine Tonne Erdreich 50 Gramm Gold, daneben andere Metalle wie Silber und Uran. Mit herkömmlichen Abbautechniken ist die Förderung, selbst bei Verengung des Blickwinkels auf den rein ökonomischen Aspekt, ein wenig lukratives Unterfangen. Der Mega-Bergbau geht dagegen grossflächig vor, hat dadurch aber auch gewaltige Auswirkungen auf dien hydrographischen Becken und Einzugsgebiete, indem Grundwasser kontaminiert wird und zudem gewaltige Wassermengen für die Abbauverfahren benötigt werden. Sind grössere Bergbauunternehmen erst einmal vor Ort, neigt die örtliche Bevölkerung dazu, ihr Land zu verkaufen und abzuwandern. Andere bleiben und finden, allerdings meist nur temporär, Arbeit im Mega-Bergbau. Insgesamt wird die lokale Bevölkerung zunehmend vom Bergbauextraktivismus abhängig. Der Untertagebau befördert Millionen Tonnen von Erd- und Gesteinsmassen sowie stark kontaminierten Flüssigkeiten an die Erdoberfläche. Die Entsorgung solcher Halden bzw. Auffangbecken, sofern diese überhaupt angelegt werden, ist komplex und kostenintensiv. Kolumbien, ähnlich wie viele andere Länder, besitzt keine gesetzlichen Mechanismen oder Haftungsregelungen, um die Sanierung von Umweltschäden im Bergbau zu gewährleisten. Der Behördenapparat weicht stattdessen die bestehenden Umweltauflagen zugunsten des Mega-Bergbaus immer weiter auf.

Risiken des Tagebaus

Erhebliche Beeinträchtigung von Ökosystemen, Landschaft sowie heimischer Flora und Fauna bis hin zu ihrer Zerstörung.
Veränderungen der Gewässer- und Grundwassersysteme

Hoher Wasserverbrauch und -kontamination

Entstehung von grossen Abraumhalden sowie Auffangbecken mit der Gefahr der grossflächigen Kontamination durch Auswaschung, Dammbrüche etc

Risiken des Untertagebaus

Vollständige oder teilweise Zerstörung von Grundwasserhorizonten

Änderung der Richtung des natürlichen Grundwasserflusses durch Untertagestollen

Durch Kontaminierung verursachte Wasser PH-Werte von weniger als 4

Rutschungen von Abraumhalden führen zur Modifizierung ganzer Flusssysteme

Nebst dem Verlust ihres Trinkwassereinzugsgebiet läuft die Zivilgesellschaft Gefahr, die Kosten für das nur begrenzt mögliche Auffangen der Umweltschäden in Form ihrer Steuern stemmen zu müssen. Untersuchungen zeigen, dass viele Schäden erst nach Jahren feststellbar sind; zu einem Zeitpunkt also, wenn die verursachenden Bergbauunternehmen das Land meist längst verlassen haben und nicht mehr zur Rechenschaft gezogen werden können. Die Vorteile kommen nur wenigen zugute, während die Risiken und Schäden die grosse Mehrheit der Bevölkerung in Mitleidenschaft ziehen. Dies wissen auch die Bergbaugesellschaften, und so investieren sie beachtliche Summen in Kampagnen, die den Mega-Bergbau als einen guten Deal für alle darzustellen versuchen.

Road map des paramo von santurbán

2009 beantragte das kanadische Bergbauunternehmen Greystar Resources eine Umweltlizenz für sein Bergbau-Megaprojekt «Angostura», um im Tagebau Gold mitten im Paramo abzubauen. Angesichts dieser unmittelbaren Bedrohung für das Ökosystem des Paramo als Wasserspeicher bildete sich in Bucaramanga eine Protestbewegung der Zivilgesellschaft. Beim ersten grösseren Protestmarsch gingen 5000 Personen auf die Strasse. Neben Gewerkschaften, Umweltschützer/innen und NGOs schlossen sich auch etabliertere Institutionen an, darunter der Gross- und Einzelhandel sowie der regionale Ingenieursverband. Informative Anhörungen rückten ein offenes Geheimnis ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Der Staat und seine Institutionen lassen Bergbauunternehmen nach Belieben schalten und walten. Zur gleichen Zeit begannen einige Medien, die Integrant_innen der Protestbewegung einzuschüchtern, zu bedrohen und zu verleumden – es war von Feinden der Regionalentwicklung und falschen Aposteln des Umweltschutzes die Rede. Die Antwort der Bewegung liess nicht lange auf sich warten: Beim dritten Protestmarsch kamen 8’000 Menschen zusammen. Die Regionallandschaftsverband von Bucaramanga, die federführend verantwortliche regionale Umweltbehörde, versuchte Anfang 2011, Mitstreiter/innen der Protestbewegung von einer Umweltanhörung bezüglich des Bergbaus im Paramo von Santurbán auszuschliessen. Postwendend kam die Antwort: Im Februar 2011 kamen mehr als 40’000 Menschen zu einem Protestmarsch in Bucaramanga zusammen, es fanden Sitzblockaden vor dem Umweltministerium in Bogotá und weitere Protestaktionen in Nachbardepartment Norte Santander statt. Schliesslich verweigerte der Staat im März 2011 Greystar die Umweltlizenz. Daraufhin gab das Unternehmen sein Projekt zur Gewinnung von Gold im Tagebau auf und gab sich mit einem neuen Namen einen Ökoanstrich: Eco-Oro.

Das 2010 verabschiedete Gesetz 1382 schob industriellen Bergbauaktivitäten in den Paramo-Ökosystemen einen Riegel vor, liess aber das heikle Thema der räumlichen Abgrenzung der kolumbianischen Paramos völlig offen. Nach biogeographischen Kriterien sind die Andenwälder ab 2’500 Metern Höhe Teil dieses Ökosystems. Auf politischen Druck des nationalen Bergbauministeriums identifiziert der Regionallandschaftsverband den Paramo von Santurbán aber erst ab einer Höhe von 3’400 Metern – im Januar 2013 wurde die Grösse des Naturschutzgebiets Paramo von Santurban mit gerade mal 11’700 Hektar angegeben. Durch diese fragwürdige Entscheidung waren ganze Grundwasserhorizonte, der andine Höhenwald, Torfmoore und Lagunensysteme – Landschaftselemente, die für den Wasserkreislauf unverzichtbar sind – dem Megabergbau ausgeliefert. Zusätzlich wurden alte Bergbautitel, die nun im Naturschutzgebiet lagen, bestätigt. Vehemente Proteste der Zivilgesellschaft brachten den Staat schliesslich dazu, verschiedene staatliche Institutionen damit zu beauftragen, eine fundiertere räumliche Abgrenzung des Paramos durchzuführen. Aber auch beim zweiten Anlauf blieb der Andenhochwald aussen vor, und es drohte eine Zersplitterung des Ökosystems. Das Alexander-von-Humboldt-Institut, eine Referenzstelle für die territoriale Abgrenzung von Ökosystemen in Kolumbien, kam bei einer Identifizierung des Paramos von Santurbán auf eine Ausdehung von zusätzlichen 30’000 Hektaren. Diese 30’000 Hektaren, die von der Regierung nicht miteinbezogen worden waren und damit ausserhalb der Schutzzone lagen, stimmten mit Gebieten überein, in denen transnationale Bergbaugesellschaften Bergbautitel besassen.

Actualmente (finales de 2018), la Sociedad Minera de Santander (Minesa), empresa constituida por un grupo empresarial de inversión y desarrollo del gobierno de Abu Dhabi, Emiratos Árabes Unidos, ha solicitado licencia ambiental para su megaproyecto Soto Norte; se trata de minería de socavón en los municipios de Suratá y California, perforando un inmenso sistema de túneles, a pocos metros del páramo. Según el cronograma de la empresa, el proyecto debe comenzar en 2018/19, la extracción duraría de 2021 hasta 2044, finalmente la ‘restauración’ concluiría en 2048. Los impactos en cuanto a dirección y volumen de agua subterránea de la perforación de los túneles de transporte y los demás de extracción son impredecibles. Expertos en la materia afirman que es imposible que las propiedades hidrogeológicas vuelvan al estado inicial una vez concluya el proyecto. Son varias las preguntas que surgen desde el proyecto Soto Norte: ¿Cuál será el impacto minero sobre la calidad y cantidad de agua subterránea, cuáles los pasivos ambientales a perpetuidad, cuál es el riesgo de la minería sin área de amortiguamiento hacia el páramo y cuál el escenario tomando en cuenta el riesgo sísmico? El estudio del impacto ambiental, presentado por la empresa no ofrece respuestas convincentes a estas preocupaciones. La CDMB no cumple su papel de ente fiscalizador y solo ante la presión de 16 senadores empieza a cumplir su función, de manera deficitaria, realizando una inspección técnica mientras que hay testimonio de fincas indicando que las primeras quebradas se están secando.

Ende 2018 beantragte MINESA, eine von einer Investment- und Entwicklungsgruppe der Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate gegründete Bergbaugesellschaft, eine Umweltlizenz für ihr Megaprojekt Soto Norte. Es ging dabei um ein ambitioniertes Untertagebauprojekt, welches in den Gemeinden Suratá und California ein riesiges Tunnelsystem bohren wollte, nur wenige Meter vom Paramo entfernt. Gemäss Zeitplan des Unternehmens hätte das Projekt 2019 beginnen sollen, wobei die Förderung von 2021 bis 2044 dauern sollte. 2048 würde schließlich die «Restaurierung» abgeschlossen sein. Die Auswirkungen des Projekts auf das Grundwasserregime und das Ökosystem sind nicht genau vorhersehbar. Expert/innen sagen jedoch voraus, dass hydrogeologische Eigenschaften nach Abschluss des Projekts nicht in ihren ursprünglichen Zustand zurückkehren können. Das Soto-Norte-Projekt wirft gleich mehrere Fragen auf: Welche Auswirkungen hat der Mega-Bergbau auf die Qualität und Menge des Grundwassers? Wie hoch sind die Folgeschäden und wer kommt für diese auf? Wie hoch ist das Risiko des Megabergbaus ohne Pufferzone in unmittelbarer Nähe zum Paramo? Welches Szenarium ergibt sich bei Berücksichtigung des Erdbebenrisikos? Die vom Unternehmen vorgelegte Umweltverträglichkeitsstudie bietet keine überzeugenden Antworten auf diese Bedenken, und die Regionalkörperschaft erfüllt ihres Rolle als Aufsichtsorgan nicht. Aus der Sicht der nationalen Bergbaubehörde handelt es sich bei «Soto Norte» um ein Projekt von nationalem Interesse und verdient jegliche Unterstützung. Seit 2014 besitzt Kolumbien ein Express-Verfahren, um Umweltlizenzen zu erteilen. 2017 kam es in sieben Landkreisen Kolumbiens zu rechtsverbindlichen Volksbefragungen, bei denen sich Mehrheiten für das Wasser und damit fürs Leben entschieden haben und dem Bergbau eine Abfuhr erteilten. Danach verunmöglichte das oberste Verfassungsgericht es den Lokalregierungen praktisch, solche Volkskonsultationen durchzuführen. In Zukunft müssen bereits im Vorfeld Umweltverträglichkeitsstudien von unabhängigen Expert/innen vorliegen, wenn Volkskonsultationen bergbaurelevante Aspekte berühren. Doch die allermeisten Kommunen haben dafür kein Budget. Die locomotora minera macht sich an allen Ecken und Enden des kolumbianischen Staates bemerkbar.

Vorprogrammierter protest

«Bucaramanga como vamos», übersetzt etwa «Bucaramanga, wie gehts» ist Bestandteil einer regelmässig von Medien durchgeführten Meinungsumfrage in mehreren Grossstädten Kolumbiens. Seit 2011 rangiert im Meinungsbild in Bucaramanga die Bedrohung des Trinkwassers durch den Mega-Bergbau an erster Stelle. Die Teilnehmerzahl des Protestmarsches im Oktober 2017 spiegelt dies wieder: Mehr als 100’000 Personen, einmalig in der Geschichte Bucaramangas. Was war passiert? Die nationale Förderpolitik des Bergbauextraktivismus, die rücksichtslose, das gesamte Land betreffende Vergabe von Bergbaukonzessionen und das ständige Zurechtrücken der Umweltschutzgesetzgebung, um selbst Naturschutzgebiete, darunter auch die Paramos, dem Extraktivismus zu öffnen, führten 2010 zur Entstehung der Protestbewegung zur Verteidigung des Paramos von Santurbán. Schnell schlossen sich zahlreiche Personen und ganze Institutionen der Protestbewegung an. Die Angst, dass ihr Trinkwasser in Folge des Mega-Bergbaus mit Cyanid und weiteren Schwermetallen versetzt wird, hatte eine massive Protestbewegung entstehen lassen.

Pro trinkwasser statt kontra mega-bergbau

Jeden Mittwoch von 6 bis 8 Uhr abends trifft sich der harte Kern der Protestbewegung, um die nächsten Schritte zu besprechen; Treffpunkt ist der Sitz der Gewerkschaft der Wasserwerke von Bucaramanga. Es ist eine bunte Gruppe von Gewerkschaftler/innen, Umweltschützer/innen, Mitglieder von politischen Parteien, NGOs, Akademiker/innen und Stadtviertelvertreter/innen, allesamt empört über den Ausverkauf der Natur und der eigenen Zukunft. Mitmachen kann, wer will, und das Kollektiv hat entschieden, sich nicht institutionell zu konstituieren, um Hierarchiestrukturen zu vermeiden: Die Moderation wird im Wechsel übernommen, feste Sprecher/innen gibt es nicht, und Entscheidungen werden im Anschluss an Debatten im Konsens getroffen. Das Spektrum der Maßnahmen ist breit: Lobbyarbeit mit Medien, Politiker/innen und Parteien, Gewerkschaften und anderen Organisationen sowie Kongressabgeordneten. International arbeitet man mit Mining Watch aus Kanada, Netzwerken in den USA und den Niederlanden sowie dem Interamerikanischen Verband zur Verteidigung der Umwelt zusammen.

Die Aktualisierung der Fachexpertise in Sachen rechtlichem, politischem, ökologischem und argumentativem Kontext steht ganz oben auf der Agenda der Portestbewegung. Die Informationsarbeit in den Stadtvierteln und Aktionen an öffentlichen Orten haben sie ebenso im Visier. Derzeit ist eine Umfrage unter den Bürgerinnen und Bürgern rund ums Wasser und den Paramo von Santurbán in Planung. Es werden legale Schritte eingeleitet, um die Durchführung von technischen Inspektionsbesuchen zu erreichen, und man steht kurz davor, eine öffentliche Anhörung im Parlament mit Abgeordneten der Bergbauproblematik und des Fracking zu erreichen. Mayerly López stieg bei der Bewegung ein, als sie noch an der öffentlichen Universität studierte. «Wir achten auf unser gesellschaftliches Ansehen, welches wir uns als Protestplattform erarbeitet haben», erklärt die Aktivistin. «Was hier auf dem Spiel steht, geht uns alle an. Für mich persönlich ist die Teilnahme an der Protestbewegung zu einem festen Bestandteil meines Lebens geworden.» Für Mario Flórez, der seit der ersten Stunde vor nunmehr 9 Jahren dabei ist, sagt: «Unsere Protestbewegung hält sich dank der bisherigen Erfolge am Leben.»

Erfolge zu Gunsten des Trinkwassers und der Lebensqualität

 Verhinderung der Umweltlizenz von Greystar für ihr Tagebauprojekt Angostura 

Rückzug der Weltbank, die ursprünglich mit Kapital an Greystar beteiligt war, aus dem Projekt 

Verbot des Bergbaus in den Paramos des Landes mit dem Urteil 0-35 des Verfassungsgerichts von 2016 

Verzögerung des Umweltlizenzprozesses von Minesa für ihr Unertagebauprojekt Soto Norte 

Demanda al Ministerio de Ambiente y Desarrollo Sostenible para actualizar / transparentar información sobre nuevo proceso de delimitación 

Aufnahme der Themen Trinkwasser und Paramo in die öffentliche Agenda 

Anordnung eines neuen Verfahrens des Paramo durch das
Verfassungsgericht und Anerkennung der Bevölkerung des Ballungsraums Bucaramanga als direkt Betroffene 

Petition gegenüber dem Umweltministerium zwecks umgehender Einleitung eines neuen Demarkationsprozesses

Verhinderung des Mega-Bergbaus im Paramo von Santurbán durch sozialen Druck

Sensibilisierung der Bevölkerung, die inzwischen Trinkwasser und Lebensqualität mit dem Paramo in Verbindung bringen




 


Verteidigung des Paramos von Santurbán als Initialzündung für Proteste zum Schutz anderer Paramos in Kolumbien 

Erkenntnis der Zivilgesellschaft, dass der Mega-Bergbau kein Allheilmittel ist 

Debatte um Trinkwasser und Lebensqualität statt um die Relevanz des Mega-Bergbaus für die Ökonomie

Der Slogan des Protests lautet, dass keine Interessen vertreten, sondern Rechte eingefordert werden: Verteidigung von (Trink-)Wasser und Leben und nicht Kampf gegen den Bergbau. Ausserdem wird kontinuierlich zwischen dem traditionellen kleinskaligen Bergbau und dem Mega-Bergbau differenziert. Die Protestbewegung lebt Pluralität, sodass es zu einem Zusammenfluss von verschiedenen Sektoren gekommen ist, denn was die Gruppe trotz ihrer Heterogenität vereint, ist freiwilliges und gesellschaftliches Engagement. Die Überwindung von Klassendenken und die Öffnung hin zu Verbündeten war aber nicht einfach: «Wir sind nicht die Zivilgesellschaft von Bucaramanga, sondern nur ein kleiner Teil davon, und wir brauchen Verbündete, sie sind wichtig», erklärt Mario Flórez. Die einzige Bedingung, um teilnehmen zu können, ist der Wille, authentisch für Wasser zu kämpfen. So war es möglich, auch politische Parteien, Geschäftsleute, Gewerkschaftler/innen, Wissenschaftler/innen und Umweltschützer/innen an einen Tisch zu bekommen. Die Bewegung hat Höhen und Tiefen durchgemacht, ohne sich dabei instrumentalisieren zu lassen. Das Rotieren in den Fuktionen, die auch anderen Raum gibt, sowie die soziale Kontrolle des Kollektivs waren und sind hierfür sehr wichtig. Der Finanzmangel der Bewegung ist dagegen ein konstantes Problem. Doch laut Alix Mancilla, einer weiteren Mitsstreiterin der ersten Stunde, «schwächt dieser Umstand nicht, sondern aktiviert Kreativität.» Die Organisation eines Protestmarsches mit mehr als hunderttausend Teilnehmer/innen mit weniger als 20 Millionen Pesos (etwa 5’000-6’000 Euro) Budget zu stemmen, spricht für sich.

Das territorium sind wir alle

«Was in Santurbán passiert, wird auch in anderen Paramos Kolumbiens passieren», erklärt Mario Flórez. Für 2019 ist ein nationales Treffen zum Schutz der Paramos geplant. Der Trend zur Verteidigung der Paramos ist wachsend, denn 22 der mehr als 30 Paramos im Land sind vom Mega-Bergbau bedroht. Mit der Unterstützung des Anwaltskollektivs Luis Carlos Pérez, welches auch zur Protestbewegung gehört, werden verschiedene Rechtswege beschritten. So entschied das Verfassungsgericht, dass das Recht der Bevölkerung auf Wasser, menschenwürdiges Leben, Information, Beteiligung und intakte Umwelt durch das beanstandete Demarkationsverfahren des Paramo von Santurbán nicht berücksichtigt wurde. Damit wurde rechtlich anerkannt, dass dem Territorium neben der lokalen auch die regionale und metropolitane Zivilgesellschaft angehört.

Quintessenzen in Richtung Zukunft

1

Die Verteidigung des Paramos von Santurbán ist ein emblematiches Beispiel, wie der Widerdstand von Menschen zu verhindern vermag, dass für die Trinkwasserversorgung essentiell wichtige Feuchtbiotope großen Bergbaugesellschaften überlassen werden. Santurbán hat die Menschen im Land wachgerüttelt, und der Widerstand keimt auch bereits in anderen Regionen.

2

Anschein zu wahren, es würde bei der Verpfändung der Trinkwasserversorgung alles mit rechten Dingen zugehen. Die Menschen haben begonnen, sich als Teil des bedrohten Territoriums sehen, und fordern die Sicherung des Trinkwassereinzugsgebiets, statt dem kurzsichtigen Ausverkauf der Natur tatenlos zuzusehen.

3

Widerstand kann sich in eine Alternative verwandeln, wenn die Bewohner/innen einer ganzen Region ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer vom Extraktivismus bedrohten Zone entwickeln. Breite Öffentlichkeitsarbeit mit klaren und positiven Kernmessages bewegt sehr viele zum Mitmachen: Die Verteidigung des Paramo geht uns alle etwas an.

Der Text, der auf Besuche und Gespräche vor Ort basiert, wurde von Jorge Krekeler (Berater Misereor als AGEH Fachkraft) erstellt, zunächst jedoch mit den Interviewpartnern konsensfähig gemacht. Besonderen Dank gilt Mario Flórez, Alix Mancilla, Erwing Rodríguez, Jesús Gamboa, Mayerly López, Carlos Morales, Elizabeth Martínez und Nelly Sofía Ardila vom Komitee Defensa del Agua y el Paramo de Santurbán sowie in besonderer Weise der Corporación Compromiso für die Kontaktherstellung.

Autoren:

  • Jorge Krekeler / jorge.krekeler@posteo.de

Layout:

Diana Patricia Montealegre

Bildmaterial:

Corporaciòn Compromiso, Jorge Krekeler

Kontaktangaben in Bezug auf dokumentierte Erfahrung:

Correo electrónico: comiteparamosanturban@gmail.com

Facebook: Comité Santurbán Twitter: @comitesanturban

AUSGABE:

Januar 2019

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Autoren:
Jorge Krekeler
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Informationsquellen

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